Dazwischen

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Neues Jahr, neue Fahrt!

Auch 2019 wird wieder kein Hoch und kein Tief ausgelassen!

Steigt ein und begleitet mich ein Stück auf meiner Berg-und Talfahrt, wenn ihr möchtet.

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr habt Weihnachten, die Feiertage und auch die Tage zwischen den Jahren weitestgehend unversehrt überstanden und seid gut ins neue Jahr gekommen. 2019 ist da und dieses Jahr habe ich mich ganz besonders auf Neujahr gefreut, da ich nach längerer Zeit wieder in meine Wohnung eingezogen bin, die ich für ein dreiviertel Jahr untervermietet hatte. Die Woche war ganz gut was los, denn wenn man selbst weder Dachboden noch Keller hat und seine ganzen Habseligkeiten kreuz und quer auf diverse Freundschaftshaushalte verteilt hatte, ist es gar nicht mal so einfach, das alles wieder zusammen zu sammeln geschweige denn sich daran zu erinnern, wo jetzt was war! Frei nach dem Motto „Neues Jahr, neues Glück!“, wenn auch schon ordentlich abgedroschen, habe ich direkt mal mein Zimmer komplett umgestellt, alle Sachen verräumt und, wohlwissend um die eventuelle Kurzlebigkeit meiner Motivation dieser Art, direkt mal noch eine wilde Runde geputzt. Nun sitze ich, sichtlich zufrieden, bei einer dampfenden Tasse Tee hier an meinem schönen alten Holzschreibtisch, der heute nicht enden wollende Regen prasselt wie im schönsten Kitschstreifen an meine Fensterscheiben und anstatt wie bisher meine Tapete sehe ich nun in der Ferne die blinkenden Krähne am Hafen, wenn ich den Blick über den Computerbildschirm hebe. Und ich weiß, ich bin zu Hause.

Wie schon auf meiner Startseite angedeutet, entsteht dieser Blog vorerst im Rahmen eines Moduls des Studiums, das ich im Oktober aufgenommen habe. Allerdings war es schon länger mein Plan, einen Blog über dieses Thema zu starten, wie es dann aber so oft ist, zumindest bei mir, stand ich mir selbst mal wieder im Weg und habe mich durch meine nicht selten viel zu hohen Ansprüche an mich selbst davon abhalten lassen, überhaupt irgendetwas zu tun. Weil ich „einfach“ nicht wusste, wie ich anfangen sollte. Weil ich dachte, es müsste direkt perfekt werden. Eine gute und übersichtliche Struktur. Tolle Bilder. Schlaue Weisheiten. Zum Glück hat mir besagtes Modul nun den kleinen Tritt verpasst, den ich noch brauchte und ich habe „einfach“ mal angefangen. Ohne zu wissen, wie das eigentlich genau geht. Hä, man brauch ein offizielles Impressum, wenn man einen Blog öffentlich macht? Wo zum Teufel kann ich diese Schriftgröße anpassen? Warum ändern sich alle Bilder, obwohl ich nur das eine hier ändern wollte? Und wie war das nochmal mit der eigenen Domain? Werde ich jemals wieder einen Job bekommen, wenn ich für alle Welt zugänglich die Geschichte meiner psychischen Erkrankung erzähle? Will ich wirklich so offen sein und über meine tiefsten Täler und atemberaubendsten Höhenflüge berichten, auf die Gefahr hin, dass jeder es lesen, jeder seine Meinung dazu sagen kann?

Ja, ich will!

Meiner Meinung nach herrscht in unserer Gesellschaft trotz aller Fortschritte und Entwicklungen immer noch ein sehr großer Nachholbedarf bezüglich des allgemeinen Verständnisses für sowie der Akzeptanz und der Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen. Überforderung entsteht überall dort, wo Menschen nicht wissen, wie sie helfen können, wie sie sich verhalten sollen. Angst wird geschürt durch unzureichende oder, schlimmer noch, falsche Information. Wenn selbst die nächsten Angehörigen eines psychisch kranken Menschen an ihre Grenzen stoßen, sich ohnmächtig fühlen, weil ihre Hilfe nicht angenommen werden möchte oder kann, hilflos sind…wie soll dann beispielsweise ein/e Arbeitgeber/-in, der/die durch eine/n psychisch erkrankte/n Mitarbeiter/-in zum ersten Mal mit dieser ihr oder ihm bisher unbekannten Thematik konfrontiert wird, adequat reagieren?

Wie ihr sicher schon merkt, man könnte hier nun seine Fühler in jede nur erdenklich mögliche Richtung ausstrecken und so viele verschiedene Themen auf einen Tisch packen, dessen Beine sich ächzend unter der Informationslast biegen würden. Aber das möchte ich, wenn möglich, vermeiden und versuchen, diese Inhalte, Themen, Infos Stück für Stück zu bearbeiten. Glaubt mir, ich habe mir zahllose schlaflose Nächte den Kopf über dieses Unternehmen zerbrochen, wie will ich das aufziehen, wie soll ich es ordnen, wie macht es Sinn, wie würde ich es als Leser/-in gerne haben? Und ich muss euch leider – oder vielleicht auch zum Glück (?) – mitteilen, dass ich darauf bis jetzt noch keine Antwort gefunden und beschlossen habe, dass sich das mit der Zeit sicher ergeben wird, dass ich „einfach“ mal anfangen muss.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ich nehme euch mit auf meinen ganz persönlichen Weg zur Diagnose meiner Bipolar II-Erkrankung, der über zehn Jahre gedauert hat, ich möchte meine Erfahrungen, die ich vor und auch nach der Diagnose gemacht habe, die ich immer noch jeden Tag mache, mit euch teilen. Ich möchte euch erzählen von der Art, wie ich mein Leben heute trotz, oder viel mehr und besser gesagt, mit der Erkankung lebe, euch aufzeigen, was helfen kann, was mir persönlich geholfen hat oder hilft, was man vermeiden sollte oder könnte. Ich möchte euch sowohl an meinem tiefsten Schwarz als auch an meinem grellsten Strahlen teilhaben lassen. Ich werde vor allem auch versuchen, meine Phasen und die Symptome, die ich durchlebt habe und das nach wie vor tue, so genau wie möglich zu beschreiben, um nochmal mehr deutlich zu machen, dass sich eine Bipolar II-Erkrankung, in der sich hypomane und depressive Phasen abwechseln, ganz klar von einer unipolaren Depression abzugrenzen ist und einer völlig anderen Behandlung bedarf. Ein Grund für die häufigen Fehldiagnosen, falsche Therapieansätze oder Medikation und die zehn Jahre, die bis zur richtigen Diagnose einer Bipolar II-Erkrankung im Schnitt vergehen, ist der Fakt, dass deren hypomane Phasen, die nicht so stark ausgeprägt sind wie die manischen Phasen einer Bipolar I-Erkrankung, sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen oft als gesund eingestuft und empfunden werden.

Auch ich wusste über 10 Jahre nicht, was das eigentlich „in“ mir ist

Müsste ich einen ungefähren Zeitpunkt in meinem Leben bestimmen, zu dem ich rückblickend das erste mal eine depressive Phase hatte, würde ich ihn ungefähr auf 13, 14 Jahre legen. Richtig los ging es dann aber erst mit 18, als ich nach dem Abitur für ein Jahr ins Ausland ging. Nun bin ich 28. Meine Diagnose habe ich Ende 2017 erhalten. Nachdem ich bereits mehrere Therapien gemacht und auch verschiedene Ärzte aufgesucht hatte. Das war mein Weg – und auch wenn er lang und stellenweise sehr sehr steinig war, gehört er zu mir und ich bin froh, ihn gegangen zu sein und letztendlich auch eine Diagnose erhalten zu haben, die mir weitere Wege und Möglichkeiten eröffnet hat. Allerdings heißt das nicht, dass der Weg zur korrekten Diagnose so weit sein muss. Dazu möchte ich hier gerne beitragen.

Je schneller die richtige Diagnose gestellt und die entsprechende Therapie eingeleitet wird, desto besser die Prognose für die Erkrankung

Und wenn nur eine Leserin oder ein Leser durch meine Erzählungen und Schilderungen für die eigenen Empfindungen und Stimmungsextreme sensibilisiert wird und somit die Weichen für eine schnellere korrekte Diagnose und eine adequate und effektive Behandlung gestellt werden können, dann wäre zumindest bereits eine Abkürzung auf dem Weg zur Diagnose geschafft!

Bis dahin…

Wo wir auch schon wieder bei den hohen Ansprüchen wären und ich hier gerne den Bogen zum Anfang schlagen und zu einem Schluss für diesen ersten Artikel im neuen Jahr kommen möchte. Ob du nun Betroffene/r, Angehörige/r, Interessierte/r oder einfach nur Leser/in bist:

Hiermit fordere ich Dich, ja, Dich, noch einmal ganz herzlich und offiziell zum Tanz auf. Dem Tanz zwischen den Polen.

Ich wünsche euch einen guten Start in die zweite Woche des Jahres!

Eure Lisa.

 

Ein Kommentar zu „Dazwischen

  1. Liebe Lisa, wie mutig von dir, dich so zu öffnen. Ich bin ganz bei dir: Psychische – und seelische – Erkrankungen gehören zu den letzten Tabus unserer Gesellschaft. Es ist immer so, als müssten sich die Erkrankten dafür schämen. Ich glaube, das ist der Grund, weshalb sich viele erst gar nicht in Behandlung geben. Mit dem einzigen Ergebnis, dass die Situation dann noch viel schlimmer wird. Ein Teufelskreislauf.
    Ich freue mich so sehr, dass du mutig und entschlossen diesen Kreislauf unterbrichst und stattdessen eine Positiv-Spirale aufbaust. Deswegen ist dein Blog bereits der beste, den es hier geben kann. Weil du keine Angst hast, dich zu zeigen und vor allem auch uns zu zeigen, wie das Leben mit einer Diagnose wie deiner eben so ist.
    Höhen und Tiefen bewusst erleben und als Teil des Ganzen zu akzeptieren – das ist auch für mich die wichtigste aller Lebensweisheiten. Ich komme mit!

    Gefällt 1 Person

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