Schon umme Ecke.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Für die Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, dieses Weihnachten alles andere als schön und eine riesen Herausforderung war: Ihr habt es trotzdem geschafft!

Seid stolz auf euch. Seht nicht, was ihr dieses Jahr vielleicht alles nicht „geschafft“, erledigt oder verwirklicht habt, sondern dass ihr trotz und mit allem nun auf dieses Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen zurückschauen und es hinter euch lassen könnt.

Seht nicht nur, was alles nicht ging oder gerade nicht geht, sondern vielleicht auch, was stattdessen Neues entstanden ist, welche Alternativen gefunden wurden. Was trotzdem noch ging und geht.

Obwohl ich persönlich die Erfahrung gemacht habe, dass es mir besser geht, wenn ich mich auf die positiven Dinge konzentriere und vor allem nie die Dankbarkeit für alle noch so kleinen schönen Dinge in meinem Leben verliere, muss man nicht immer aus Scheiße Gold machen oder sich alles krampfhaft schön reden.

Ich finde, es ist mehr als okay und legitim, 2020 so richtig fett kacke und schwierig und ätzend gefunden zu haben.

Genau so dürfen wir aber auch zugeben, wenn dieses Jahr ein gutes und schönes Jahr war, trotz und mit Pandemie. Ohne schlechtes Gewissen.

Und dass wir uns nicht schlecht fühlen müssen, weil es für die meisten anderen eher schwierig war.

„Bleibt gesund“ ist immer so leicht gesagt, kann sich aber für psychisch kranke Menschen falsch anfühlen, weil sie eben nicht gesund sind.

Deswegen wünsche ich euch an dieser Stelle, dass ihr so stabil wie möglich durch das neue Jahr gehen und mit all dem umgehen könnt, was da auf euch zukommen wird, das Schöne genießen und das Schwierige meistern werdet.

Nicht zwangsläufig blinden Optimismus hegt, aber trotzdem die Zuversicht nicht verliert oder wiederfindet.

An die, die bereits gesund, egal ob physisch oder psychisch, sind: Bleibt gesund!

Und stresst euch nicht an Silvester. Auch das darf dieses Jahr (und auch sonst) alles auf ner Skala von richtig fett scheiße bis überragend schön sein. Trotz, wegen, ohne oder mit Corona.

Passt gut auf euch auf.

Leben mit Extremen

Achterbahn fahren ist ein schlechter Witz dagegen!

Schön, dass du hier bist!

Mein Name ist Lisa, ich bin 28 Jahre alt und habe gerade mit meinem Studium angefangen, dem Master „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Für eines meiner Module, „Schreiben in digitalen Medien“, muss, bzw. darf ich mich viel mehr darin ausprobieren, einen eigenen Blog zu schreiben. Über ein Thema, das mir am Herzen liegt. Da ich schon sehr lange den Wunsch nach und auch schon viele Ideen für einen Blog hatte, aber nie so recht wusste, wo und wie ich anfangen sollte, trifft sich das sehr gut und ich freue mich über die Gelegenheit, das nun endlich auszuprobieren.

Erst letztes Jahr, im Herbst 2017, habe ich nach über zehn Jahren falscher Diagnose sowie falscher Behandlung während meines Aufenthaltes in einer psychosomatischen Klinik die Diagnose Bipolar II erhalten. Wäre die richtige Diagnose früher gestellt worden, hätte ich mir vermutlich sehr viel Leid ersparen können. Allerdings bin ich damit nicht alleine und keineswegs ein Einzelfall. Das Bipolar II-Krankheitsbild wird aufgrund seines im Vergleich zur Bipolar I – Störung milderen Verlaufs und der schwächeren Ausprägung seiner Phasen generell im Schnitt erst zehn Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome richtig erkannt. Jeder Tag, den man durch die falsche Diagnose und Behandlung oder gar komplett undiagnostiziert und unbehandelt verliert, ist ein fehlender Tag auf dem Weg, diese Erkrankung als Teil des eigenen Lebens anzuerkennen, die bestmögliche Behandlung zu erhalten und einen gesunden Umgang mit ihr zu lernen. Trotzdem ein glückliches Leben zu führen. Denn das ist möglich! Aber eben nur, wenn man weiß, mit was man es da überhaupt zu tun hat.

Um den Rahmen hier nicht direkt zu sprengen, möchte ich darauf verweisen, dass es zur Bipolar II-Erkrankung selbst zeitnah noch Ausführlicheres zu lesen geben wird.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich in erster Linie meine Erfahrungen im Umgang und Leben mit meiner Bipolar II-Erkrankung mit anderen Menschen teilen möchte. Seien es Betroffene, Angehörige oder einfach nur Interessierte. Es ist so wertvoll und heilsam, zu wissen, dass man nicht alleine damit ist. Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen ist meiner Meinung nach eine der effektivsten Arten, den Umgang damit zu lernen und schwere Phasen durchzustehen. Auch das hoffe ich mit meinem Blog anstoßen zu können. Mein absoluter Herzenswunsch wäre es, durch die Schilderung des Verlaufs meiner Krankheit, meiner Symptome, meines Lebens und Leidens in den letzten 15 Jahren anderen Menschen, die (noch) nicht wissen, was mit ihnen los ist, dabei zu helfen, dies so bald wie möglich herauszufinden.  Menschen wie du und ich, die verzweifelt in der Achterbahn ihres Lebens zwischen extremen Hochs und Tiefs feststecken und immer den Ausstieg verpassen. Die spüren, dass ihre extremen Stimmungsschwankungen irgendwie anders sind als bei den anderen, sich aber bisher von ihrem Umfeld mit der hobbypsychologischen Diagnose Hochsensibilität haben abspeisen und vielleicht kurzzeitig auch beruhigen lassen. Die aufgrund falscher Diagnose unadequate Behandlung erhalten, die ihnen nicht hilft und sie sowie ihr Umfeld verzweifeln lässt.

Vielleicht hast du die Diagnose Bipolar II bereits und freust dich über das Lesen meiner Artikel, die Schilderungen meines Umgangs mit der Erkrankung. Die Erfahrungen, die ich gerne teilen, den Rat, den ich weitergeben möchte.

Oder aber du bewegst dich gerade in einer nebligen Grauzone und erkennst dich in den Schilderungen meiner Symptome, meiner Phasen, meiner Aufs und Abs, meiner Gefühle, Gedanken, meines Lebens, so sehr wieder, dass dir das eine Abkürzung auf dem Weg zur richtigen Diagnose ermöglicht, dir dadurch viel Leid erspart wird und du wertvolle Zeit auf dem Weg zu einem gesunden Umgang mit deiner Erkrankung gewinnst.

Viele Bipolar II-Erkrankte mussten, wie ich, den langen Weg gehen.

Das muss nicht sein! Ich hoffe von Herzen, dass ich durch meinen Blog einen kleinen Teil dazu beitragen kann. 

Einen schönen dritten Advent wünsche ich euch!

Eure Lisa.