Ich bin hier, habe das Ticket.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Kann mal jemand diese verfickte Achterbahn anhalten??!

Kann mich nicht daran erinnern, dass ich überhaupt ein Ticket gekauft habe!

Vielmehr werde ich in den Wagen geschubst, der metallene Hebel so grob und eng zugedrückt, dass es mir fast die Luft zum Atmen nimmt und ab geht’s.

Psychisch gesunde Menschen haben auch gute und schlechte Tage. Stimmungsschwankungen. Leben halt.

Auch ich habe die in meine symptomfreien Phasen. Remission genannt. Die letzte schenkte mir über ein halbes Jahr. Während dieser Phasen sind meine Stimmungswechsel „normal“, ich kann mit ihnen umgehen. Und zwar bestens. Kann jederzeit aussteigen. Selbstbestimmt.

In meinen Krankheitsphasen rauscht die Bahn einfach durch. Immer wieder am Ausstieg vorbei. Es steigen Menschen zu, andere steigen aus. Doch ich bleibe sitzen. Und es geht in die nächste Runde.

Wo einmal Selbstbestimmung war, hängen nun Fäden an diversen Stellen meines Körpers. Zerren und ziehen an mir, lassen mich einen grotesken Tanz performen, der bestenfalls Entsetzen und Verwunderung in seinem Publikum hervorrufen würde.

Hoch. Runter. Looping. Und nochmal.

(Wie der Rauch auf dem Foto oben, nur horizontal gespiegelt)

Manchmal mit so rasender Geschwindigkeit, dass da nur noch Rauschen ist in meinem Kopf. Lähmung in meinem Körper.
Ohrenbetäubende Stille in meinem Hören. Flimmern in meinem Sehen. Dunkelschwarz in meinem Denken.
Tieftraurig in meinem Fühlen.

Mir wird übel. Würde ich mich jetzt übergeben und die ganze Scheiße bei voller Fahrt auskotzen, würde sie mir einfach nur herzhaft zurück ins Gesicht klatschen.

Ich bin im freien Fall.

Da, der Ausgang! Nee, doch nicht, haha, verarscht!

So nah und doch so fern.

Harter Brocken.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Das beschreibt mein Wochenende ganz gut. Es war anstrengend, es war scheiße, es war dunkelgrau. Obwohl die ganze Zeit die Sonne schien.
Und es ist vorbei.
Das Wochenende.

Wie es das Timing eben manchmal so will, war leider niemand in live verfügbar, der hätte da sein können. Und ich es bei denen, die hätten da sein können, wie so oft nicht geschafft habe, nach Hilfe zu fragen, weil ich ja wie immer meine, alles alleine schaffen zu müssen und nicht bedürftig sein zu dürfen. Angst habe, zu viel zu sein. Eine Belastung zu sein.

Diese Gedanken entspringen nicht meinem „gesunden“ ich, es ist die Depression, die mir versucht, diese Dinge einzureden. Und wenn sie was drauf hat, dann ist es das!

Sobald sie den Hebel in deinem Hirn auf Abwärtsgang umgelegt hat, saugt sie dich unaufhaltsam immer weiter in das tiefe schwarze Loch ohne Boden.

Dort wo eine Negativity-Fetisch-Party vom Allerfeinsten wütet. Alles, was dich schlecht fühlen lässt, darf sich dort austoben. Die einzige Voraussetzung ist, dass es einvernehmlich selbstabwertend zugehen muss. Verzweiflung, Angst und Traurigkeit fallen lüstern übereinander her.

Dieses mal gab es einen special guest, die nur äußerst selten Teil meines mind fucks in depressiven Phasen ist. Wahrscheinlich weil sie weiß, wie groß meine Abneigung ihr gegenüber ist. Und dass ich tief in meinem Inneren eine scheiß Angst vor ihr habe. Sie tiefe Wunden aufreißt.

Dass sie in symptomfreien Phasen nicht Thema ist, selbst wenn ich viel alleine bin. Denn das wähle ich frei. Und dann weiß, dass sie eine Illusion ist.

Doch das Wochenende war nicht normalerweise.

Mein Alleinsein nicht frei gewählt.

Und die Einsamkeit, die mich wie aus dem Nichts gepackt hat, auch leider keine Illusion.

Nothing…

…lasts for ever
let that be the reason you stay
even this sick twisted misery
will not last

– hope

Ich bin so erschöpft. So müde. Habe so viel geweint die letzten Tage wie im letzten halben Jahr nicht. Mich heute morgen nach einer beschissenen Nacht mit größter Überwindung in die Küche an meinen Laptop geschleppt, um während meiner Online-Therapie eine Stunde lang in die Kamera zu rotzen. Wenigstens konnte ich zum ersten Mal in der Sitzung rauchen.

Mich um die Hunde und meine grundlegendsten Bedürfnisse wie Nahrungsaufnahme, genug Wasser trinken und den leider mehr als überfälligen Einkauf, der mit der für depressive Phasen allseits bekannten Entscheidungsunfähigkeit ganz besonders viel Spaß macht, zu kümmern, hat mir so viel abverlangt, dass ich direkt wieder in Tränen ausgebrochen bin, als ich endlich zu Hause war. Zu Recht. Denn es ist fucking anstrengend.

Ich erinnere mich daran, dass es Phasen gab, in denen ich nicht eines dieser Dinge geschafft hätte. Auch nicht unter größter Anstrengung.
Nicht weil ich nicht wollte, keine Lust hatte oder zu faul war. Sondern weil ich nicht konnte. Weil ich eine Krankheit habe.
Kein Aufruf zu Mitleid. Einfach Fakt.

Und egal ob uni- oder bipolar:

DEPRESSIONEN SIND EINE KRANKHEIT.

BIPOLARE STÖRUNGEN SIND EINE KRANKHEIT.

Eine Krankheit, die man von außen oft nicht sieht, deren Symptome nicht immer gleichermaßen präsent sind. Die in unserer Gesellschaft immer noch zu sehr stigmatisiert, tabuisiert oder verschwiegen wird. Eine Krankheit, die jedes Jahr und jeden Tag Todesopfer fordert.

In der deutschen Allgemeinbevölkerung wird die Möglichkeit, an einer Bipolar-II-Störung (Depressionen und Hypomanien), wie ich sie habe, auf 1-3 % geschätzt (Quelle: DGBS (Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen).

Laut der DGBS versucht jede*r 4. Betroffene im Verlauf der Erkrankung mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen.

JEDER 4.!

MINDESTENS einmal!

Manchmal braucht es nicht viele Worte. Denk mal drüber nach.

Für mehr Verständnis und Akzeptanz in unserer Gesellschaft!

Off-Mode.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Am liebsten würde ich laut schreien. Doch ich bin wie gelähmt. Seit fünf Stunden sitze ich in meinem Zimmer am Laptop vor dem Uni-Seminar, auf das ich mich so gefreut hatte. Sehen tue ich nichts, da alle ihre Kameras ausschalten mussten, weil sonst die Audioübertragung nicht funktioniert. Weniger Gemeinschaftsgefühl geht nicht.

Gestern bin ich um halb 8 abends eingeschlafen, weil ich so erschöpft war. Einschlafen kann ich seit Monaten nicht mehr, weswegen ich meine Ärztin für den Übergang um etwas, das mir dabei helfen soll, gebeten habe. Das funktioniert ganz gut. Von anderen weiß ich, dass sie sich zuballern, indem sie abends oder mittlerweile auch mal mittags ihre Flasche Wein trinken oder sich anderweitig betäuben. Keine Option für mich.

Trotz meiner bipolaren Störung und all der Herausforderungen, vor die sie mich seit über 10 Jahren immer wieder stellt, trotz meiner Arbeitslosigkeit durch Corona und dem Wegfallen jeglicher Struktur von außen, trotz des Alleinelebens und durch das Ernstnehmen der Kontaktbeschränkungen zwangsläufig sehr viel Alleinseins bin ich seit Beginn der Pandemie bisher stabil geblieben.

Was von außen easy aussehen mag, ist jeden Tag harte Arbeit. Jeden Tag aufs Neue herausfordernd. Jedes Mal anstrengend. Aber es gehört zu mir und ich kann das. Finde jeden Tag aufs Neue heraus, was ich gerade brauche, was ich mir und meiner Psyche mit den momentan verfügbaren Mitteln und übrig gebliebenen Ressourcen Gutes tun kann, damit ich sie irgendwie mitschleifen kann durch diese Zeit.

Ich bin jeden Tag stundenlang draußen mit den Hunden, bin dankbar für alles Schöne, versuche nachsichtig mit mir zu sein. Gut für mich zu sorgen. Ich weiß aus all den Jahren sehr genau, was mir gut tut und was nicht. Was ich will. Wer ich bin.


Aber was, wenn das nicht länger reicht? Der Gedanke macht mir Angst.
Es ist die Frage, wie lange all dieses Gute noch die Macht hat, mich über diese nicht enden wollende Zeit weiterzutragen.


Plötzlich fängt mein Herz an wie verrückt zu klopfen. Zittern. Tränen.


Tränen, die ich heute mit euch teilen möchte. Weil wir sie viel zu oft verstecken.

Sicher ist in diesen Zeiten nicht viel.

Aber es geht weiter. Immer.

Da bin ich mir sicher.

Weil das Licht ist grad so schön.

Bildquelle: Sophie Liehr

Gestern habe ich meine Teilnehmer*innen in der letzten Sitzung meines Schreibworkshops einen Klappentext für ihre eigene Biografie schreiben lassen. Eine nicht leichte, aber wunderschöne Aufgabe. Vor allem, weil wir aus einer anderen Perspektive in vielen Hinsichten nochmal einen ganz anderen Blick auf manche Dinge und auch uns selbst bekommen.

Meinen eigenen möchte ich hier gerne mit euch teilen:

„Nachdem sie viele Jahre auf der Suche war, hat sie das Gefühl, angekommen zu sein. Bei sich. Im Leben. Am Wasser. Genau kann sie es nicht benennen.

Es fühlt sich einfach richtig an.

Das war nicht immer so. Vor drei Jahren erhielt sie am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens die Diagnose „Bipolare Störung“. Endlich wissend, was das da die letzten 15 Jahre war, was nicht so ganz stimmte, all die Aufs und Abs, lernte sie über die letzten Jahre, mit ihrer Erkrankung zu leben.
Es gab viele Fortschritte, aber auch Rückschläge. Mit ihrem Blog möchte sie anderen Betroffenen oder auch Angehörigen zeigen, dass ein lebenswertes und schönes Leben auch mit, oder in manchen Hinsichten sogar wegen, dieser Erkrankung möglich ist.

Sie möchte die Hoffnung, die sie einst selbst komplett verlassen hatte, an die Menschen weitergeben, die sie vielleicht gerade nicht haben. Die Hoffnung, die sie seitdem nie wieder verlor, ganz egal, wie schwarz es manchmal noch um sie wurde.

Mittlerweile weiß sie, dass es immer weitergeht. Und dass sie nicht die Person wäre, die sie heute ist. Ohne all das. Dass all das zu ihr und ihrem Leben dazu gehört.  

Einem Leben, das mit all seinen Höhen und Tiefen so reich und bunt ist, mit all den Menschen, die darin mit ihr lachen und weinen, reden und schweigen, tanzen und innehalten. Die nicht von ihrer Seite weichen, ganz egal was ist. All der Liebe, die sie bisher erfahren durfte und die immer da ist. All den wunderschönen Orten, die sie sehen durfte und darf. All der unbändigen Freude, der Leichtigkeit und des Glücks. All der Traurigkeit, der Schwere und des Schmerzes.

Sie hat es sich einfacher vorgestellt, das Leben. Aber irgendwann wurde ihr klar, dass es darum nicht geht. Und dass die Schönheit des Lebens keineswegs darin besteht, leicht zu sein.

Es fühlt sich einfach richtig an.“

Vielleicht hast du Lust bekommen, es auch mal zu versuchen.

Wie würde der Klappentext über dein Leben aussehen?

Wer Lust hat, kann sich gerne auch auf meinem instagram Account

tanz.zwischen.den.polen

dazugesellen. Ich habe das Gefühl, dass das gar nicht mal so langsam (wahrscheinlich zähle ich da schon fast zu „hinterwäldlerisch“) und sicher etwas beliebter, verbreiteter und effizienter wird als die Webvarianten von Blogs, was ich persönlich schade finde, da ich nicht der größte Instagramfan mit. Aber in manchen Hinsichten lohnt es sich dann ja doch, etwas mit der Zeit zu gehen, und seinen ganz persönlichen Umgang damit zu finden. Den Austausch über Beiträge beispielsweise finde ich auf instagram sehr viel unkomplizierter, angenehmer und schneller. Bewusst zu konsumieren und die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu wahren bleibt auch hier, wie bei so vielem, einzig und allein die eigene Verantwortung.

Für’s Erste.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Kleine Staubflusen düsen durch meine Bude wie Tumbleweed. Wenn es gerade nicht so unpassend wäre, „Spiel mir das Lied vom Tod“ laut aufzudrehen, wäre das jetzt ziemlich passend. Berge von Geschirr stapeln sich in der Küche. Frische Wäsche: Eher Mangelware. Mein Zimmer, 20 Grad, windstill. Die Frisur sitzt trotzdem nicht. Bad Hair Day wird zum Bad Hair Month. Ich spekuliere einfach darauf, dass meine Haare nicht mit meiner Wollmütze verwachsen, die ich jeden Tag trage. Ja, auch im Bett. Frisch kochen ist genau so wenig wie frische Wäsche. Kurz mit dem Hund raus, in Schlafanzugshose. Heulend. Von den 10 Dingen, die ich heute erledigen wollte, habe ich genau 0 erledigt.

Mein Rat an dich, wenn es dir gerade ähnlich geht:

Scheiß drauf. Sei endlich nachsichtig und gnädig mit dir. Die Situation, in der wir uns alle gerade befinden entschuldigt so ziemlich alles an Verhaltensweisen, Emotionen, Tun und Nichttun.

Ich befördere das Tumbleweed heimlich ins Nebenzimmer und mache erstmal die Tür dahinter zu. Fein. Ich gebe mich damit zufrieden, dass das Geschirr zumindest noch nicht wegläuft. Stelle fest, dass ich außer Schlafi und Regenjacke gerade eh nix zum Anziehen brauche. Freue mich, dass ich überhaupt Haare auf dem Kopf habe. Find okay, was ich esse, auch wenn’s jetzt halt gerade nicht sonderlich grün ist. Bin stolz, dass ich trotz allem jeden Tag rausgehe. Dem Hund ist es nämlich herzlich egal, ob ich dabei heule oder mir die Sonne aus dem Arsch scheint.

So weit, so gut.

Ich akzeptiere, dass das hier nicht zwangsläufig die beste Zeit für Höchstleistungen und Erledigungsexzesse ist. Und dass mein Gefühl der Zufriedenheit weder vom einen noch vom anderen abhängt.

Das muss für’s erste reichen.

Sei lieb zu dir. Das hier ist anders.

Darf ich vorstellen: Das Schreibcafé Hamburg!

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Ihr Lieben, heute gibt es mal einen etwas anderen Post.

Wie ihr vielleicht durch das „About me“ auf meinem Blog bereits wisst, studiere ich im Master Biografisches und Kreatives Schreiben. Im Frühjahr habe ich alle notwendigen Fachsemester des Studiums abgeschlossen, schreibe meine Masterarbeit und darf mich dann offiziell „Schreibpädagogin“ nennen.

Obwohl ich genau das bereits tue, nämlich schreibpädagogisch arbeiten, und das gesamte Fachwissen aus zweieinhalb Jahren Studium schon besitze, bin ich bis jetzt erstmal „nur“ Schreibgruppenleiterin. Wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken!

Gemeinsam mit einer Freundin habe ich Ende 2020 das „Schreibcafé Hamburg“ gegründet, einen Raum für Kreativität, Achtsamkeit und die Beschäftigung mit unseren inneren Werten. Wir haben bereits einige wunderschöne und inspirierende Kurse gegeben, die uns in unserer Idee und Vision nur einmal mehr bestärkt haben.

Nun geht es in die nächste Runde und wir sind dankbar für jede helfende Hand, die uns bei der Werbung für unsere Kurse unterstützt! Natürlich haben wir diverse Kanäle und soziale Plattformen schon ausgeschöpft, aber aller Anfang ist schwer und egal, wie schön ein Konzept sein mag, es muss sich erstmal rumsprechen. Und da möchte ich die treue Leser*innenschaft meines Blogs natürlich nicht missen.

Also: Wem das Konzept, das ich euch im Folgenden vorstellen werde, gefällt und es für „werbungswürdig“ befindet, würde mir und uns einen riesengroßen Gefallen tun, den Link dieses Blogartikels und/oder unsere Facebookseite (Schreibcafé Hamburg) und/oder unseren Instagram-Account (schreibcafe.hamburg) mit Freund*innen/Bekannten/Familie/Arbeitskolleg*innen zu teilen, zu liken, weiterzuempfehlen und was auch immer man eben so macht um etwas an Frau und Mann zu bringen. Oder ganz oldschool und analog mal beim nächsten Abstandsspaziergang durch die Maske nuscheln wäre doch auch nett!

Und was natürlich noch unfassbar viel großartiger wäre: Wenn ihr selbst mitmacht! 🙂 Es geht los!

Schreibcafé Hamburg

– das sind: Lisa Waldherr & Catalina Suchomel.

In unseren Kursen und Workshops zeigen wir euch, wie ihr durch die Verbindung von Kreativem Schreiben und Achtsamkeit in Kontakt mit euch selbst und euren eigenen Werten kommen könnt.

Unser Konzept: Schreib es Dir Wert!

Wie kann uns die Verbindung von Achtsamkeit und Kreativem Schreiben bei der eigenen Wertedefinition helfen?

Orientiere ich mein Leben wirklich an meinen ganz persönlichen Werten? Lebe ich vielleicht eher nach den Werten von anderen Menschen? Nach den Werten unserer Gesellschaft?

Weiß ich überhaupt, was meine eigenen Werte sind? Wie soll mein Leben in Einklang mit diesen Werten aussehen?

Sowohl die heilsame Wirkung des Kreativen Schreibens als auch der positive Einfluss von Achtsamkeit auf diverse Bereiche unseres Lebens sind mittlerweile wissenschaftlich erwiesen.

In unserem Schreibcafé werden wir die Kombination von beiden Bereichen nutzen, um kreativ schreibend unsere eigenen Werte zu erforschen.

Wir, das bin ich, Lisa, Mental Health Bloggerin, Schreibgruppenleiterin und angehende Schreibpädagogin (M.A. Biografisches und Kreatives Schreiben) und meine Kollegin Catalina, Schauspielerin und Theaterpädagogin.

Gemeinsam haben wir ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das kleine Achtsamkeitseinheiten, kreative Schreibübungen und Wertedefinition in vier verschiedenen Lebensbereichen in sich vereint und uns auf der Suche nach unseren Werten unterstützen wird.

Anmeldung per Mail an: schreibcafehamburg@gmail.com

Facebook: Schreibcafé Hamburg

Instagram: schreibcafe.hamburg

Zeiten:

1x wöchentlich
8 Sitzungen à 2 Stunden

IM FEBRUAR WERDEN ZWEI KURSE STARTEN!!!


1. Kurs

Dauer: 2 Monate (8 Termine)
Beginn: 03. Februar 2021
Ende: 24. März 2021

Immer Mittwochs, 19-21 Uhr

2. Kurs

Dauer: 2 Monate (8 Termine)
Beginn: 15. Februar 2021
Ende: 05. April 2021

Immer Montags, 19-21 Uhr

Veranstaltungsort:

Online per zoom

Max. Teilnehmerzahl:

8 Personen

Teilnahmekosten:

150 EUR pro Person (für alle 8 Sitzungen)

Ermäßigung für:

Student*innen des BKS und Sozialhilfeempfänger*innen zahlen nur 100 EUR!

Seid es euch wert und macht mit!

Wir freuen uns auf euch.

Lisa & Catalina.

Mitten im tiefsten Winter…

Bildquelle: Gregor Runge

… wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.“

– Albert Camus

Meine Energie schwindet von Tag zu Tag, die Akkus sind leer. Ich zwinge mich aufzustehen und öffne das Fenster. Grau-nasse Kälte schleudert mir ein mehr als unhöfliches Moin entgegen. Erstmal Kaffee. Ich zünde ein paar Kerzen an. Draußen wird es schon wieder dunkel. Gute-Laune-Musik an. Ich lege mich zurück ins Bett, schlürfe müde meinen Kaffee und glotze ins Graue. „Look for the good“ von Jason Mraz gibt mir den Rest. Und da fließen sie endlich, die Tränen. Und zwar nicht, weil ich das Gute nicht mehr sehen kann oder will, sondern weil ständig das Gute zu sehen irgendwann seinen Tribut fordert.

So gut es mich durch all die Monate seit Beginn der Pandemie gebracht hat, so sehr hat es mich auch erschöpft. Und das ist okay. Nein, es ist nicht nur okay, es ist wichtig und definitiv überfällig.
Ich lasse sie zu. All die Gefühle, die gerade in mir hochkommen. Traurigkeit. Wut. Resignation. Realisiere, wie viel Kraft es mich gekostet hat, den Herausforderungen der Krise zu trotzen und mit den Einschränkungen umzugehen.
Gestehe mir diese Verletzlichkeit zu. Die Menschlichkeit dahinter. Bin dankbar für sie.

Doch inmitten dieser Traurigkeit spüre ich vor allem ein Gefühl der Stärke in mir. Gewissheit, dass ich mit all dem umgehen kann und werde. Zuversicht, dass nach jedem Tief ein Hoch kommt. Hundertprozentiges Vertrauen in mich, meinen Körper und meine mir über die Jahre hart erkämpften Selbstheilungsfähigkeiten und Ressourcen. Die Erfahrung all der bisher überstandenen Krisen. Die Einsicht, dass tiefe Traurigkeit und Hoffnung gleichzeitig da sein können. Die Erkenntnis, dass ich mich bei und mit all dem trotzdem sicher und geborgen fühle.

Und dass ich diese innere Stärke ohne meine Erkrankung und all die tiefen Täler der letzten Jahre niemals entwickelt hätte.

Während ich diese letzten Zeilen tippe, beschließt Spotify’s zufällige Wiedergabe, dass es jetzt erst Recht nochmal Zeit für „Look for the Good“ ist.

Zu meinen verquollenen Augen gesellt sich ein kleines Grinsen.

Wenn Liebe durch die Stadt geht.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Wenn die Hügel nach und nach verschwinden, der Blick endlich wieder Ferne zu finden vermag und Windrad um Windrad tröpfchenweise ins Landschaftsbild sickert.

Wenn du um die letzte Kurve auf der A1 bretterst und am Horizont plötzlich Ungetüme aus Stahl auftauchen, die stolz und erhaben den Kopf Richtung Wolken heben.

Wenn dein Herz bei diesem Anblick auch noch im verflixten siebten Jahr klopft wie verrückt, eine Gänsehaut deinen kompletten Körper überzieht und ein idiotisches Grinsen deine Lippen umspielt.

Zur gleichen Zeit kindliche Aufregung und tiefe Ruhe von dir Besitz ergreifen.

Vorfreude und Nostalgie eine Symbiose der Superlative eingehen.

Du die Erkenntnis erlangst, dass Oxytocin auch ohne Berührung freigesetzt werden kann.

Und du weißt, dass du angekommen bist.

Ganz egal, wie lang oder kurz du weg warst.

Ganz egal, wie sehr du das Reisen liebst.

Ganz egal, wie viele großartige Orte du schon gesehen hast.

Ganz egal, wie schön oder schwer deine Zeit in weiter oder naher Ferne war.

Ganz egal, wie hell oder dunkel es in deinem Inneren gerade aussehen mag.

Wenn dir dein Urvertrauen sagt, hier bist du sicher.

Ganz egal wie gefährlich die Welt manchmal scheinen mag.

Dann kannst du dir Sicher sein, dass du im richtigen Hafen vor Anker gegangen bist.

Schon umme Ecke.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Für die Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, dieses Weihnachten alles andere als schön und eine riesen Herausforderung war: Ihr habt es trotzdem geschafft!

Seid stolz auf euch. Seht nicht, was ihr dieses Jahr vielleicht alles nicht „geschafft“, erledigt oder verwirklicht habt, sondern dass ihr trotz und mit allem nun auf dieses Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen zurückschauen und es hinter euch lassen könnt.

Seht nicht nur, was alles nicht ging oder gerade nicht geht, sondern vielleicht auch, was stattdessen Neues entstanden ist, welche Alternativen gefunden wurden. Was trotzdem noch ging und geht.

Obwohl ich persönlich die Erfahrung gemacht habe, dass es mir besser geht, wenn ich mich auf die positiven Dinge konzentriere und vor allem nie die Dankbarkeit für alle noch so kleinen schönen Dinge in meinem Leben verliere, muss man nicht immer aus Scheiße Gold machen oder sich alles krampfhaft schön reden.

Ich finde, es ist mehr als okay und legitim, 2020 so richtig fett kacke und schwierig und ätzend gefunden zu haben.

Genau so dürfen wir aber auch zugeben, wenn dieses Jahr ein gutes und schönes Jahr war, trotz und mit Pandemie. Ohne schlechtes Gewissen.

Und dass wir uns nicht schlecht fühlen müssen, weil es für die meisten anderen eher schwierig war.

„Bleibt gesund“ ist immer so leicht gesagt, kann sich aber für psychisch kranke Menschen falsch anfühlen, weil sie eben nicht gesund sind.

Deswegen wünsche ich euch an dieser Stelle, dass ihr so stabil wie möglich durch das neue Jahr gehen und mit all dem umgehen könnt, was da auf euch zukommen wird, das Schöne genießen und das Schwierige meistern werdet.

Nicht zwangsläufig blinden Optimismus hegt, aber trotzdem die Zuversicht nicht verliert oder wiederfindet.

An die, die bereits gesund, egal ob physisch oder psychisch, sind: Bleibt gesund!

Und stresst euch nicht an Silvester. Auch das darf dieses Jahr (und auch sonst) alles auf ner Skala von richtig fett scheiße bis überragend schön sein. Trotz, wegen, ohne oder mit Corona.

Passt gut auf euch auf.