Das entscheide immer noch ich.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

In erster Linie bin ich immer einfach erst mal froh, wenn eine depressive Phase wieder vorbei ist. Nachdem ich mich dann ausgiebigst dafür abgefeiert habe, dass ich mich mal wieder aus dem schwarzen Loch heraus gekämpft habe, versuche ich herauszufinden, was mir geholfen hat. Was dieses Mal die größte Schwierigkeit war. Was ich selbst dafür getan habe, dass es mir wieder besser geht. Was von Außen geholfen hat.

Und vor allem auch, was ich dafür für’s nächste Tief mitnehmen kann. Ja, das wird kommen. Nein, ich habe keine Angst davor. Aber es wäre nett, wenn es nicht morgen kommt.

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Alles. Auch eine bipolare Störung. Oft zeigen sich die positiven Aspekte natürlich nicht mitten im depressiven Loch, das versteht sich von selbst.

Es sind die depressiven Phasen, aus denen ich am meisten lerne. Sie lassen mich immer wieder die Unberechenbarkeit meiner Erkrankung spüren und zeigen mir, dass ich mir nicht aussuchen kann, wann eine Phase kommt. Egal wie gut mein Krankheitsmanagement ist. Denn es gibt nun mal auch Dinge im Leben, wie Corona beispielsweise, die von außen kommen. Die wir nicht beeinflussen oder verhindern können. Die eine Phase triggern können. Und wenn sie nur der Tropfen sind, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Aber ich kann mir aussuchen, wie ich mit all dem umgehe. Und mich entscheiden für mein Vertrauen, dass diese Phase wieder geht. Auch wenn das selten von heute auf morgen geschieht. Genau so wenig, wie die Depression von heute auf morgen kommt.

Ich entscheide mich jedes Mal auf’s Neue für meine Zuversicht, dass es auch dieses Mal wieder gut werden wird. Ganz egal, wie fern das im Moment scheinen mag. Und wie real und bitter das Leid dann ist.

Ich kann mich dafür entscheiden, auch dieses Mal wieder alle Hebel in Bewegung zu setzen, jede nur denkbare Ressource zu nutzen und mir Hilfe zu suchen, wenn ich sie brauche. Damit es mir wieder besser geht. Ich kann mich dafür entscheiden, nicht den Mut zu verlieren. Mir meiner Selbstwirksamkeit, meiner Stärke und Resilienz, die durch jede neue Phase immer weiter wächst, bewusst zu bleiben.

Und diese Entscheidungsfreiheit wird mir keine Erkrankung der Welt jemals nehmen können.

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