Ich bin hier, habe das Ticket.

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

Kann mal jemand diese verfickte Achterbahn anhalten??!

Kann mich nicht daran erinnern, dass ich überhaupt ein Ticket gekauft habe!

Vielmehr werde ich in den Wagen geschubst, der metallene Hebel so grob und eng zugedrückt, dass es mir fast die Luft zum Atmen nimmt und ab geht’s.

Psychisch gesunde Menschen haben auch gute und schlechte Tage. Stimmungsschwankungen. Leben halt.

Auch ich habe die in meine symptomfreien Phasen. Remission genannt. Die letzte schenkte mir über ein halbes Jahr. Während dieser Phasen sind meine Stimmungswechsel „normal“, ich kann mit ihnen umgehen. Und zwar bestens. Kann jederzeit aussteigen. Selbstbestimmt.

In meinen Krankheitsphasen rauscht die Bahn einfach durch. Immer wieder am Ausstieg vorbei. Es steigen Menschen zu, andere steigen aus. Doch ich bleibe sitzen. Und es geht in die nächste Runde.

Wo einmal Selbstbestimmung war, hängen nun Fäden an diversen Stellen meines Körpers. Zerren und ziehen an mir, lassen mich einen grotesken Tanz performen, der bestenfalls Entsetzen und Verwunderung in seinem Publikum hervorrufen würde.

Hoch. Runter. Looping. Und nochmal.

(Wie der Rauch auf dem Foto oben, nur horizontal gespiegelt)

Manchmal mit so rasender Geschwindigkeit, dass da nur noch Rauschen ist in meinem Kopf. Lähmung in meinem Körper.
Ohrenbetäubende Stille in meinem Hören. Flimmern in meinem Sehen. Dunkelschwarz in meinem Denken.
Tieftraurig in meinem Fühlen.

Mir wird übel. Würde ich mich jetzt übergeben und die ganze Scheiße bei voller Fahrt auskotzen, würde sie mir einfach nur herzhaft zurück ins Gesicht klatschen.

Ich bin im freien Fall.

Da, der Ausgang! Nee, doch nicht, haha, verarscht!

So nah und doch so fern.

2 Kommentare zu „Ich bin hier, habe das Ticket.

  1. Liebe Lisa,

    danke! Du beschreibst das so toll! Die Achterbahn anhalten kannst wohl nur du selbst. Es schwingt auch viel Wut aus deinen Sätzen. Ich habe ja ein ähnliches oder sogar gleiche Krankheitsbild „Bipolar“ wie du und habe nach Jahren meine tiefe innere Abneigung gegen Medikament Quetiapin als dumm und unnütz erkannt. Dadurch werden bei mir die extremen Schwankungen ziemlich gut ausgeglichen. Jeden Sommer werde ich durch das intensive Licht etwas „rückfällig“. Die Natur, die Bäume, besonders die Vögel machen mich staunen und froh. Gerade eben hörte ich Kraniche die Vögel des Glücks über meinem Haus inmitten der Stadt. Es klingt wie kriehh-kraah wenn sich die großen Vögel unterhalten. Am Elbstrand liegen Äste mit Fraßspuren und ein vom Bieber gefällter Baum auf Höhe der Himmelstreppe. Ist das nicht verrückt? Also mach dich auf und suche Freude…der Vorfrühling spendet Energie im Überfluss.

    Herzliche Grüße und alles Gute (Liebe),
    Christian

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  2. Hallo Liebelein, ich fühle mit dir . Bin seit 2005 bipolar diagnostiziert. Alle Welt freut sich derzeit am Frühling und ich kämpfe mit Tränen, die nicht kommen wollen und bin an meinem Bett fest genagelt. Seit Tagen versuche ich mithilfe der erlernten Maßnahmen wie Meditation und Grübelstop zurück in den Moment zu kommen und die Sonne zu sehen. Fühle mich, als ginge ich mit einem Fuß auf der Straße und einer geht in der Rinne eines Schwimmbades. Wenn ich übertrete, stürze ich ab… Ich strecke die Hand aus, wenn du in deiner Achterbahn vorbei kommst. Vielleicht kannst du mich anfassen und ich kann dich rausziehen und du hilfst mir, nicht abzustürzen.

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