plus one.

Und so schnell ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. Weihnachten und Silvester liegen hinter uns, ein frisch geschlüpftes Jahr vor uns. Irgendwie ist der ganze Kram dieses Mal äußerst unspektakulär an mir vorbeigezogen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. In Weihnachtsstimmung war ich zum ersten und letzten Mal schon Anfang Oktober aufgrund einer zeitlich etwas fehl platzierten Frank Sinatra-Playlist im Café und auf unerklärliche Art und Weise habe ich erschreckenderweise sogar verpasst, mich durch diverse Weihnachtsmarktbuden und Plätzchenberge zu futtern.

Auch Silvester huschte klamm und heimlich vorbei. Abgesehen davon, dass ich Silvester für mehr als überbewertet halte, habe ich es bisher doch eher selten geschafft, mich von den Erwartungen zu lösen, die dann doch irgendwie an diesen letzten Abend des alten Jahres gestellt werden. Sowohl von mir selbst als auch von den Menschen um mich herum. Im Idealfall sollte es dann vielleicht doch schon ein besonderer Abend werden. Oder zumindest ein besonders schöner. Dieses (letztes) Jahr war all das seltsam unaufgeregt. Ich war von den Tagen davor ganz schön gestresst, müde und hatte eigentlich auch so gar keine Lust auf überhaupt irgendeine Action. Musste außerdem mittags ein Gespräch führen, vor dem es mir schon ein Weilchen graute und das mich bereits vorher, aber auch währenddessen und danach einiges an Energie und Überwindung kostete. Und mich, obwohl es letzten Endes gut lief, auch ein bisschen traurig machte. Am liebsten hätte ich mich eigentlich einfach ins Bett gehauen und ganz entspannt ins neue Jahr geschnarcht, war dann aber schon vollgepackt auf halbem Weg zu den Freunden, bei denen ich zu Silvester eingeladen war.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich mich angesichts der Tatsache, dass ich genau an diesem einen Abend nun nicht in Bombenstimmung war, über alle Maßen gestresst und mit den Gedanken, die dabei aufgekommen wären, definitiv auch nicht in bombigere Stimmung gebracht. Ganz im Gegenteil. Hätte vielleicht krampfhaft versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und stets bemüht trotzdem den Alleinunterhalter gespielt. Mit dem Ergebnis, dass danach erfreulicherweise vielleicht tatsächlich alle anderen gut unterhalten gewesen wären, ich selbst aber bestenfalls angestrengt.

Dieses Jahr habe ich es einfach mal so sein lassen wie es war. Nicht versucht, etwas zu ändern oder zu optimieren. Es nicht mal ändern wollen, weil ich wusste, dass meine Stimmung eine gesunde Reaktion auf das war, was ich hinter mir hatte. Dass es vielleicht schon morgen oder spätestens in ein paar Tagen erledigt sein würde. Heute aber noch nicht. Und heute war halt nun mal Silvester. Aber ich war hier, umringt von besten Freunden und lieben Bekannten. Inmitten von Bergen gigantischen Essens. Ich war hier, beobachtete ein bisschen mehr als sonst, redete ein bisschen weniger als sonst. Lachte viel, aber nicht ganz so laut. Ich war hier, fühlte mich wohl und geborgen im Kreise meiner Freunde. In der Gewissheit, dass keiner von mir irgendetwas erwartete. Überrascht darüber, dass auch ich nicht mehr von mir erwartete. Dankbar für die wundervollen Menschen und all die Liebe und tiefe Verbundenheit in meinem Leben. In guten wie in schlechten Zeiten.

Ich war hier und mit mir die leichte Schwere, die ich heute im Gepäck hatte. Mein ungebetenes Plus One. Sie durfte auf dem Stuhl neben mir sitzen und ab und zu ein bisschen vor sich hin raunzen. Von dem leckeren Essen bekam sie allerdings nichts ab.

War eh schon schwer genug.

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