Back on track?

Bildquelle: Lisa C. Waldherr

So sehr wir uns auch manchmal in Kontakt mit uns selbst und in unserer Mitte fühlen mögen, es gibt Dinge, die von einem auf den anderen Moment wie ein Wirbelsturm durch unsere Gefühlswelt wüten und ein Schlachtfeld sondergleichen hinterlassen. All die Häuser, die so mühsam aufgebaut wurden, innerhalb von Sekundenbruchteilen umreißen und Leere und Zerstörung zurücklassen. Wir stehen mit schlaffen Armen und ungläubigem Blick vor dem, was da noch übrig geblieben ist und allein die Vorstellung, all das wieder aufbauen zu müssen, erschöpft uns so sehr, dass wir uns erst einmal hinsetzen und durchatmen müssen.

Der Ursprung dieser Stürme des Lebens, die uns von Zeit zu Zeit heimsuchen, kann unterschiedlicher Natur sein. Es kann ein Verlust sein, eine tiefe Verletzung, ein unerwarteter und nicht erwünschter Wandel, eine Trennung…die Liste ist lang. Während es menschlich und angebracht ist, gewisse Gefühle mit gewissen Ereignissen zu verbinden, diese auch tief spüren zu können, ist der Grad schmal. Der Grad zwischen Trauer, Verletztsein, Zweifeln einerseits und zu tief in diesem Strudel der Gefühle zu versinken, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren und der Entwicklung einer Machtlosigkeit andererseits.

Auch wenn wir manchmal meinen, wir könnten uns vor Verletzungen und Leid schützen oder sie vermeiden, werden wir früher oder später mit der Erkenntnis konfrontiert, dass es sich hier um eine Illusion handelt. Es wird immer wieder Menschen geben, die uns Verletzungen zufügen und das ganz unabhängig davon, ob das ihre Absicht ist oder nicht. Es geht um das Gefühl des Verletztseins, das in unserem Herzen ankommt, uns bis ins Mark trifft, uns die Kehle zuschnürt, einen überdimensionalen Stein in unseren Magen legt, uns körperliche Schmerzen bereiten kann. Meistens trifft es uns unerwartet, doch das tut nichts zur Sache. Würde uns jemand ankündigen, dass er uns jetzt gleich wehtun würde und dann mit seinen darauf folgenden Worten unsere Welt zum Einstürzen bringen, es würde rein gar nichts besser machen.

Verletzt zu werden gehört nicht zu den Dingen im Leben, die unserer Kontrolle obliegen. Es passiert einfach. Egal, was für mehr oder weniger gesunde Schutzmechanismen wir etablieren, es wird auch uns irgendwann treffen. Denn sie gehören zum Leben dazu. Während wir dieses Schicksal offensichtlich nicht abwenden können, so bleibt uns zumindest der kleine Trost unserer Macht darüber, wie wir mit diesem Schmerz umgehen und was wir vielleicht sogar von ihm lernen können.

Wir können uns ins unserem Schmerz suhlen und die Katastrophe durch eine gehörige Brise Selbstmitleid, Selbstzweifeln und Reue perfekt machen. Wir können unseren Schmerz aber auch als das nehmen, was er ist. Im ersten Moment einfach nur beschissen und verdammt wehtuend. Wir können, nein, wir sollten sogar weinen, bis unsere Augen so verquollen sind, dass wir am kommenden Tag definitv nicht das Haus verlassen können werden, schreien, bis uns die Stimme wegbleibt und, wir wollen ja mal nicht so sein, bei vollem Bewusstsein die „Life sucks“-Playlist auf Spotify auswählen und uns tatsächlich ein Weilchen lang dem Selbstmitleid hingeben. Warum nicht. 

Wir wissen nicht, wie lange dieser Schmerz andauern wird und es macht auch keinen Sinn, darüber Spekulationen anzustellen. Wir können ihn mit jedem neuen Morgen, an dem er mit uns aufwacht, wahrnehmen und muffelig begrüßen. Was noch lange nicht heißt, dass er auch einen Kaffee serviert bekommt. So weit kommt’s noch. Wir können ins uns hineinspüren und trotz der permanenten Anwesenheit dieses ekelhaften Gefühls trotzdem in Kontakt mit uns selbst bleiben. Versuchen, unsere Verletzung so weit es geht von dem Menschen zu trennen, der sie uns zugefügt hat und ihr dadurch die Romantik nehmen. Den Schmerz ertragen, in der Gewissheit, dass er gekommen und jetzt gerade da ist. Dass er aber auch wieder gehen wird. Dass er sich vernichtend anfühlen kann. Dass er uns aber nicht vernichten wird. Dass er Zeuge unserer Fähigkeit ist, zu fühlen und zu lieben. Denn ohne sie wären wir unverletzlich.

Aber erst unsere Verletzlichkeit macht die liebenswerte und authentische Menschlichkeit unseres Seins aus. 

4 Kommentare zu „Back on track?

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