Leben mit Extremen

Achterbahn fahren ist ein schlechter Witz dagegen!

Schön, dass du hier bist!

Mein Name ist Lisa, ich bin 28 Jahre alt und habe gerade mit meinem Studium angefangen, dem Master „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Für eines meiner Module, „Schreiben in digitalen Medien“, muss, bzw. darf ich mich viel mehr darin ausprobieren, einen eigenen Blog zu schreiben. Über ein Thema, das mir am Herzen liegt. Da ich schon sehr lange den Wunsch nach und auch schon viele Ideen für einen Blog hatte, aber nie so recht wusste, wo und wie ich anfangen sollte, trifft sich das sehr gut und ich freue mich über die Gelegenheit, das nun endlich auszuprobieren.

Erst letztes Jahr, im Herbst 2017, habe ich nach über zehn Jahren falscher Diagnose sowie falscher Behandlung während meines Aufenthaltes in einer psychosomatischen Klinik die Diagnose Bipolar II erhalten. Wäre die richtige Diagnose früher gestellt worden, hätte ich mir vermutlich sehr viel Leid ersparen können. Allerdings bin ich damit nicht alleine und keineswegs ein Einzelfall. Das Bipolar II-Krankheitsbild wird aufgrund seines im Vergleich zur Bipolar I – Störung milderen Verlaufs und der schwächeren Ausprägung seiner Phasen generell im Schnitt erst zehn Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome richtig erkannt. Jeder Tag, den man durch die falsche Diagnose und Behandlung oder gar komplett undiagnostiziert und unbehandelt verliert, ist ein fehlender Tag auf dem Weg, diese Erkrankung als Teil des eigenen Lebens anzuerkennen, die bestmögliche Behandlung zu erhalten und einen gesunden Umgang mit ihr zu lernen. Trotzdem ein glückliches Leben zu führen. Denn das ist möglich! Aber eben nur, wenn man weiß, mit was man es da überhaupt zu tun hat.

Um den Rahmen hier nicht direkt zu sprengen, möchte ich darauf verweisen, dass es zur Bipolar II-Erkrankung selbst zeitnah noch Ausführlicheres zu lesen geben wird.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich in erster Linie meine Erfahrungen im Umgang und Leben mit meiner Bipolar II-Erkrankung mit anderen Menschen teilen möchte. Seien es Betroffene, Angehörige oder einfach nur Interessierte. Es ist so wertvoll und heilsam, zu wissen, dass man nicht alleine damit ist. Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen ist meiner Meinung nach eine der effektivsten Arten, den Umgang damit zu lernen und schwere Phasen durchzustehen. Auch das hoffe ich mit meinem Blog anstoßen zu können. Mein absoluter Herzenswunsch wäre es, durch die Schilderung des Verlaufs meiner Krankheit, meiner Symptome, meines Lebens und Leidens in den letzten 15 Jahren anderen Menschen, die (noch) nicht wissen, was mit ihnen los ist, dabei zu helfen, dies so bald wie möglich herauszufinden.  Menschen wie du und ich, die verzweifelt in der Achterbahn ihres Lebens zwischen extremen Hochs und Tiefs feststecken und immer den Ausstieg verpassen. Die spüren, dass ihre extremen Stimmungsschwankungen irgendwie anders sind als bei den anderen, sich aber bisher von ihrem Umfeld mit der hobbypsychologischen Diagnose Hochsensibilität haben abspeisen und vielleicht kurzzeitig auch beruhigen lassen. Die aufgrund falscher Diagnose unadequate Behandlung erhalten, die ihnen nicht hilft und sie sowie ihr Umfeld verzweifeln lässt.

Vielleicht hast du die Diagnose Bipolar II bereits und freust dich über das Lesen meiner Artikel, die Schilderungen meines Umgangs mit der Erkrankung. Die Erfahrungen, die ich gerne teilen, den Rat, den ich weitergeben möchte.

Oder aber du bewegst dich gerade in einer nebligen Grauzone und erkennst dich in den Schilderungen meiner Symptome, meiner Phasen, meiner Aufs und Abs, meiner Gefühle, Gedanken, meines Lebens, so sehr wieder, dass dir das eine Abkürzung auf dem Weg zur richtigen Diagnose ermöglicht, dir dadurch viel Leid erspart wird und du wertvolle Zeit auf dem Weg zu einem gesunden Umgang mit deiner Erkrankung gewinnst.

Viele Bipolar II-Erkrankte mussten, wie ich, den langen Weg gehen.

Das muss nicht sein! Ich hoffe von Herzen, dass ich durch meinen Blog einen kleinen Teil dazu beitragen kann. 

Einen schönen dritten Advent wünsche ich euch!

Eure Lisa.

2 Kommentare zu „Leben mit Extremen

  1. Liebe Lisa,
    danke, dass Du uns mit auf Deine Reise nimmst und uns Deine Welt erklärst. Ich werde Deine Reise mit Spannung verfolgen. Durch meine Familie bin ich auch schon des öfteren mit psychischen Krankheiten in Berührung gekommen und kannte die Welt der Angehörigen des psychisch Erkrankten sehr gut, bis ich selbst eine postpartale Depression durchleben musste. Ich finde es unglaublich wichtig, was für eine Aufklärungsarbeit Du mit Deinem Blog leistest, denn ich finde, dass viel zu wenig über psychische Erkrankungen geredet wird. Dabei sollte man über sie reden können wie über einen Schnupfen oder eine Grippe.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und Erfolg beim Schreiben und bin gespannt auf das, was kommen wird…
    Liebe Grüße
    Amelie

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  2. Liebe Amelie,
    vielen Dank für deinen schönen Kommentar! Ich war auch sehr beruhigt und froh zu hören, dass du wieder auf dem Weg der Besserung bist und ich wünsche dir, dass du ganz schnell wieder komplett fit bist und dich noch fein schonst! Schade, dass du bei den letzten Präsenzwochenden nicht dabei warst, du hast auf jeden Fall gefehlt!
    Vielen Dank auch für die Offenheit in deinem Kommentar. Da du auch schon einmal betroffen warst, kannst du dich sicher in einigen meiner Schilderungen wiederfinden und diese vor allem auch nachvollziehen. Obwohl ich mich natürlich nicht freue, dass auch du das durchmachen musstest, so freue ich mich doch immer über den Austausch mit anderen Betroffenen und finde es auch immer wieder erstaunlich, wie oft man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht, sein Gegenüber unbeabsichtigt dazu bringt, dass auch sie/er sich öffnet und etwas von sich preisgibt.
    Dass immer noch zu wenig über psychische Erkrankungen gesprochen wird, da gebe ich dir 100% Recht und ich frage mich manchmal, wie lang da die Gesellschaft wohl noch brauch und ob psychische Erkankungen überhaupt irgendwann auf dem gleichen Level mit körperlichen Erkrankungen stehen werden. Daran gilt es zu arbeiten und ich finde, man kann da schon ganz im Kleinen anfangen, indem man in seinem Umfeld offen mit seiner Erkrankung umgeht und sie zumindest in diesem Rahmen enttabuisiert. Je mehr Menschen das machen, desto besser!

    Würde mich freuen, wenn wir uns beim nächsten Wochenende mal ein bisschen austauschen können!
    So und jetzt erstmal noch weiterhin gute Besserung!
    Und ich werde mich heute oder morgen auch endlich mal deinem Blog widmen, ich hatte schon etwas gelesen, aber noch keine Zeit für einen Kommentar gefunden, den ich nicht zwischen Tür und Angel schreiben wollte.

    Ganz liebe Grüße
    Lisa

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